Gewalt gegen Frauen – Was ist der Orange Day?

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Am 02.12.2025 fiel vielen Schülerinnen und Schülern schon beim Betreten der Schule etwas auf: orangefarbene Schleifenbänder wurden verteilt, an den Eingangstüren hingen Plakate mit Zahlen und kurzen Infos. Die Farbe Orange war überall präsent. Dieser Aktionstag sollte Aufmerksamkeit schaffen für ein Thema, das oft übersehen wird, obwohl es uns alle betrifft.

Doch wofür steht der Orange Day eigentlich und warum gerade die Farbe Orange?

Der Orange Day beginnt jedes Jahr am 25. November und endet am 10. Dezember. Er wurde 1999 von den Vereinten Nationen eingeführt, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchenzu setzen. Die UN-Kampagne „Orange the World“ existiert sogar schon seit 1991. Sie verbindet den 25. November, den internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Mädchen, mit dem 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte.

Der Ursprung des Aktionstages liegt im 25. November 1960. An diesem Tag wurden die drei Mirabal-Schwesternermordet, weil sie sich gegen die Diktatur in der Dominikanischen Republikstellten. Die Farbe Orangesteht dabei für Hoffnungund eine helle, gewaltfreie Zukunft. Gleichzeitig ist Orange eine auffällige Warnfarbe, die Aufmerksamkeit erzeugt, genau das, was die UN mit dieser weltweiten Kampagne erreichen möchte.

Die Zahlen zeigen, wie dringend dieses Thema ist: Weltweit findet etwa alle zehn Minuten ein Femizid statt.Im Jahr 2024 wurden rund 85.000 Frauen getötet, davon 51.000 (etwa 60 %) durch den eigenen Partner oder andere Angehörige. Pro 100.000 Einwohner sterben jährlich durch Femizide etwa 2,9 Menschen in Afrika, 1,6 in Nord- und Lateinamerikaund 0,6 in Europa.

Auch in Deutschlandist die Situation alarmierend. Fast jeden Tag wird eine Frau getötet, und jeden zweiten Tag bringt ein Mann seine (Ex-)Partnerin um. 2024 gab es 308 Versuche, Frauen zu töten – 132 davon endeten tödlich. Außerdem erlebt in Deutschland alle vier Minuten eine Frau Gewalt in ihrer Partnerschaft. Diese Gewalt kann viele Formen annehmen.

Oft beginnt sie mit psychischer Gewalt. Frauen werden beleidigt, gedemütigt, schlechtgeredet oder sozial isoliert. Durch gezielte Manipulation verlieren sie ihr Selbstwertgefühl und ordnen sich den Wünschen ihres Partners unter. Die seelischen Folgen begleiten viele Betroffene ein Leben lang. Häufig folgen später körperliche oder sexuelle Gewalt. Manche Frauen leben dann nur noch im Überlebensmodus und versuchen, ihren Partner nicht zu provozieren, um weitere Gewalt zu vermeiden.

Im Jahr 2024 machten in Niedersachsen etwa 5,7 % der Anzeigen häusliche Gewalt aus. Das Landeskriminalamt geht jedoch von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Beratungsstellen und Frauenhäuser sind oft überlastet oder unterfinanziert. Während die Zahl der Betroffenen steigt, fehlen immer mehr Beraterinnen und Berater. Auch die Arbeit mit Tätern ist kaum ausreichend möglich: In ganz Mecklenburg-Vorpommern gibt es lediglich 1,5 Vollzeitstellen zur Täterberatung.

Zwar existieren Gesetze zum Schutz vor Gewalt, doch oft funktionieren sie nur auf dem Papier. Gerichtliche Beschlüsse werden nicht konsequent umgesetzt, Schutzmaßnahmen greifen zu spät oder gar nicht. Viele Frauen fühlen sich dadurch alleingelassen.

Die Orange Days machen deutlich: Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist kein Problem, das irgendwo weit weg passiert, es ist mitten unter uns. Deshalb ist es wichtig, hinzuschauen, Haltung zu zeigen und sich aktiv für die Rechte von Frauen und Mädchen einzusetzen. Nur durch Zusammenhalt, Engagement und Solidaritätkann eine Zukunft entstehen, in der alle Menschen sicher leben und die gleichen Chancen haben, nicht nur in Fragen der Gleichberechtigung.

Autorinnen: Helene, Kyra und Imke

Quellen:

Helene Krabbe

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