Eine Reportage geschrieben von Ella und Alina, 8A
Fotos von Peter van Heesen, Theater Vorpommern
Romeo und Julia, Herr der Ringe und Harry Potter – all dies sind Bücher, die verfilmt wurden. Doch wie ist es, wenn an der Stelle von einem Film, ein Schauspiel entstehen soll? Wer und wie viel Arbeit steckt da eigentlich hinter? Wir, die 8a des AvHg, durften dies als Premierenklasse herauszufinden. Doch was haben wir genau gemacht?
Alles fing damit an, dass unsere Klassenlehrerin Frau Küntzel ein Buch, das sie vor Jahren gelesen hatte, auf dem Spielplan des Theater Vorpommerns fand. „Bilder deiner großen Liebe“ ist der Name des Romans, geschrieben von Wolfgang Herrndorf, der auch Klassiker der Schullektüre wie „Tschick“ herausgebracht hat. Doch was macht diesen Roman so besonders? Erstmal ist es wichtig zu sagen, dass „Bilder deiner großen Liebe“ ein unvollendeter Roman, bestehend aus einzelnen Fragmenten ist. Der Grund dafür besteht darin, dass Herrndorf sich im Angesichts eines Hirntumors, der bald sein Leben beenden würde, selbst das Leben nahm. Eine weitere Besonderheit ist, dass das gesamte Buch ein einziger innerer Monolog einer einzigen Figur ist.
Frau Küntzel hatte gute Erinnerungen an das Werk und beschloss, uns, laut eigener Aussage, „damit zu nerven.“, indem sie die Klasse als Premierenklasse anfragte. Aber was bedeutet es eigentlich Premierenklasse zu sein?
Als Premierenklasse des Theater Vorpommerns haben wir nicht nur zahlreiche Proben besucht, sondern uns auch intensiv mit dem Roman beschäftigt. In der Lektüre geht es um Isa, einem 14-jährigen Mädchen, welches aus der Psychatrie ausbricht und auf Selbstfindungssuche geht. Auf ihrem Weg begegnet sie vielen einzigartigen Figuren, muss mehrere Hindernisse überqueren und lernt sich dabei selbst besser kennen. Wir haben verschiedene Eindrücke von Isa und ihrer Geschichte gesammelt und waren dann sehr gespannt, wie diese auf der Bühne aussehen werden.




Eingeführt in die Theaterwelt hat uns Anette Kuss. Sie ist eine erfahrene Theaterpädagogin, die uns nicht nur durch zahlreiche Theaterworkshops begleitet hat, sondern uns auch das ganze Team der Produktion vorstellte. Hinter einem Theaterstück steckt nämlich so viel mehr, als nur die Schauspielerinnen und Schauspieler, die wir auf der Bühne sehen. Zuallererst muss die Dramaturgie dafür sorgen, dass ein Skript vorliegt. Denn bevor eine Szene es auf die Bühne schafft, muss entschieden werden, ob die Stelle angemessen, wichtig für die Handlung und gut umsetzbar ist. Das fertige Skript wird dann an den Regisseur, Arnim Beutel, weitergeleitet. Er überarbeitet dieses nochmals und überlegt sich ein Konzept, wie das ganze auf der Bühne aussehen könnte. Wenn er dies geschafft hat, teilt er seine Arbeit mit dem Regieassistenten des Stückes, bei uns Georg Meier.
Der Regieassistent wirkt als Kommunikationsglied zwischen Regie und Theater, er gibt Wünsche des Teams weiter und übernimmt viele organisatorische Aufgaben, wie die Abendspielleitung*. Den Rest der Organisation übernimmt die Inspizientin Elke Zeh. Sie stellt außerdem sicher, dass bei der Aufführung Ton und Licht zur richtigen Zeit eingesetzt werden und das Bühnenbild stimmt.
Bevor ein Bühnenbild jedoch entstehen kann, muss ein Ausstatter, wie Peter Sommerer, sich um Entwürfe für Bühne und Kostüme kümmern. Er hat sich anhand des Buches eine passende bildliche Umsetzung überlegt, mit der Regisseur und Schauspielerin gut arbeiten können. In unserem Stück wurde die Hauptrolle der Isa von Paula Dieckmann gespielt. Paulas Aufgabe war es nun, ihre Rolle auf der Bühne zum Leben zu erwecken und das Geschriebene zu verkörpern. Unterstützt hat sie dabei ihr Schauspielkollege Jan Bernhardt, der in diesem Stück vier verschiedene Rollen übernahm. Die beiden versuchen durch Mimik und Gestik die Gedanken und Gefühle ihrer Figuren ans Publikum zu vermitteln.



Sollten Paula und Jan ihren Text während der Vorstellung vergessen, sitzt Nadim Hussain, der die Souffleuse übernimmt, versteckt am Rand der Bühne und ist immer bereit, den Schauspielern ihren Text vorzusagen. Nur durch die Zusammenarbeit aller Teamkollegen ist es möglich ein funktionierendes Stück auf die Bühne zu bringen.
Am 27. März 2026 war es dann soweit: Wir durften uns die Premiere von „Bilder deiner großen Liebe“ im Rubenowsaal der Stadthalle Greifswald ansehen. Es war durchaus beeindruckend Paula und Jan in ihrem Element auf der Bühne zu sehen, während sie das Ergebnis monatelanger Proben, die wir zum Teil begleiten durften, vorführten.






Nach den anderthalb Stunden, die das Stück lief, überreichten wir dem Team kleine Geschenke und haben mit ihnen im Foyer angestoßen. Wir sind sehr dankbar für alle, die dabei geholfen haben uns diesen Einblick in die Theaterwelt zu ermöglichen und hoffen, dass wir nicht die letzte Klasse war, die ein solches Erlebnis haben durfte.

