Unser Lehrer Herr Dittberner sagte einst: „Die Qualität einer Schule erkennt man an ihren Schultoiletten“. Nun ja, unsere Toiletten sind für manche ein Ort um sich zu treffen, Klatsch und Tratsch auszutauschen oder einfach mal dem stressigen Schulalltag zu entgehen; für andere einer der schlimmsten und ekelhaftesten Orte der Schule, zu den sie sich nur ungerne begeben. Wir haben uns auf die Suche gemacht, den Wert unserer Schule anhand unserer Schultoiletten zu finden.

Aktueller Zustand
Betritt man unsere Schultoiletten (sowohl Jungs- als auch Mädchentoiletten) wird man zuerst zwei kleine Räume sehen, im Hinteren kann man auch schon die Toilettenkabinen und ein Fenster erahnen. Im ersten Raum befinden sich rechts zwei Waschbecken, beide leider zu jeder Jahreszeit mit nur kaltem Wasser. Über den Waschbecken hängt jeweils ein rechteckiger Spiegel und zwischen den Waschbecken ist ein Seifenspender befestigt, der bei den Mädchentoiletten häufig mit niedlichen Stickern versehen ist. Neben der Tür hängt an der rechten Wand ein metallener Papiertuchspender. Auf der linken Seite dieses ersten Raums, ist eine weiße Tür, die zu einer kleinen Kammer führt, in der unsere Reinigungskräfte ihre Ausrüstung lagern. Im Raum dahinter sind dann auf der linken Seite zwei bis drei Toilettenkabinen. Die Türen sind in einem knalligen Gelb, unsere Toiletten dahinter sind teilweise ebenfalls gelblich und wie im 18. Jahrhundert ziehen wir noch an Strippen, deren Griff in den meisten Fällen schon abgebrochen ist, um die Spülung zu betätigen. Bei der äußersten Toilette befindet sich eins der kleinen Fenster (in jeder Toilette gibt es vier, zwei kleine und darüber jeweils ein Großes), beklebt mit einer Plastikfolie, durch die man allerdings von außen trotzdem teilweise durchgucken kann. Auf der rechten Seite dieses zweiten Raums findet man bei den Jungstoiletten noch Pissoirs, für die, die lieber im Stehen pinkeln. Bei jeweils einer Mädchentoilette in jedem Gebäude gibt es auch einen Spender für Hygieneartikel, die jedoch leider häufig leer sind. Der Boden beider Räume ist aus Linoleum und durch die blauen Kleckse ziehen sich gelbe Stränge. Es sieht fast so aus wie moderne Gemälde, bei denen der Farbeimer mit einem Seil an der Decke befestigt ist und einmal über die Leinwand fliegt und dabei, aus kleinen Löchern an der Unterseite, runde Linien verteilt. An den weißen Wänden, bei denen der Putz teilweise schon abblättert, schlängeln sich alte, verblasste und rostige Rohre entlang. Trotz einer Heizung, die sich unter dem einen Fensterpaar befindet, wird es nie richtig warm in den beiden Räumen.

Ranking
Auf unserer Suche nach den schönsten und schlimmsten unserer Toiletten sowie einigen spannenden Geschichten haben wir uns mit einigen Schülerinnen und Schülern des zehnten Jahrgangs, sowie manchen Lehrerinnen und Lehrern unserer Schule unterhalten. Dabei kam viel Spannendes und teilweise Verstörendes heraus – zerstörte Klobürsten, Lehrer am Pissoir neben einem und vermeintliche Kohlrabizüchtung.
Mädchentoiletten
Starten wir mit einem Ranking unserer Toiletten und nach dem Motto „Ladys first“ beginnen wir mit unseren Mädchentoiletten.
Die schlechteste Toilette war nicht schwer zu finden, all unsere Gesprächspartnerinnen nannten uns die Toilette bei H12, im Hauptgebäude ganz unten, neben dem rechten Treppenaufgang, beim Chemieraum und der Essensausgabe als die Schlimmste. Dort sei es immer voll, manchmal stinke es dort, es gebe nur zwei Kabinen und außerdem liefe manchmal eine der Toiletten aus, sodass der Boden ganz nass sei. Außerdem geht bei der äußeren Kabine die Tür nur sehr schwer zu und bei der zweiten sei es einer Schülerin schon passiert, dass der Türgriff abgefallen sei und sie nicht herauskonnte.
Bei der schönsten Mädchentoilette gibt es zwei Kandidaten: einmal bei H48, eine Toilette, die sich ganz oben beim linken Treppenaufgang des Hauptgebäudes befindet, neben dem Musikraum; und bei N44, die sich ganz oben im mittleren Aufgang des Nebengbäudes befindet. Dadurch, dass sich beide Toiletten in der obersten Etage befinden, sei es häufig leer und man habe seine Ruhe. Außerdem haben beide Toiletten auch eine schöne Atmosphäre: bei N44 befinde sich eine Birke, die man durch die Fenster sieht und bei H48 scheine immer sie Sonne rein, wodurch die Toilette auch etwas erwärmt sei.
Ebenfalls nominiert für die schönste Mädchentoilette war am Anfang die Toilette bei H25, im Mittelaufang des Hauptgebäudes auf der ersten Etage. Die Toilette hat ein ähnliches Ambiente wie die bei N44, außerdem befindet sich dort der Hygieneartikelspender des Hauptgebäudes und an den Kabinentüren sind innen süße Zeichnungen von Animefiguren. Doch aus irgendeinem Grund riecht die Toilette seit Wochen nach Kohlrabi, weswegen sie inzwischen auch das „Kohlrabiklo“ genannt wird. Manchmal stinkt auch der Gang vor der Toilette, wodurch viele sich erst gar nicht reintrauen. Und die, die sich reingetraut haben, bleiben auch nicht lange. Warum es so schlimm nach Kohlrabi riecht ist bis jetzt unklar, vermutet wird inzwischen allerdings entweder: dass jemand jeden Morgen ein Kilo Kohlrabi futtert und dieses Kilo dann auch gleich wieder loswird, oder, dass es in den Rohren eine geheime Kohlrabizüchtung gibt.
Jungstoiletten
Die schlimmste und schönste Toilette bei den Jungs herauszufinden, war nicht ganz so einfach und ein eindeutiges Ergebnis gibt es leider nicht wirklich.
Bei der schlimmsten Toilette wurde häufig die Toilette bei H35 genannt. Sie befindet sich im mittleren Aufgang des Hauptgebäudes, in der zweiten Etage. Dort sei es dreckig, die Fenster gingen nicht auf, eine der Türen sei ebenfalls kaputt und dort seien einfach zu viele Leute. Zwei andere schlechte Toiletten, die auch häufig genannt wurden, waren die Toilette bei H33, in der zweiten Etage des rechten Aufgangs des Hauptgebäudes und die Toilette bei N11, die sich im Nebengebäude, neben dem rechten Aufgang befindet. In der Toilette bei H33 sei es einfach ruppig, außerdem sei dort der Main Spot von allen, weswegen sie immer voll sei und bei N11 sei die Toilette einfach nur ranzig. Obwohl uns die Toilette bei H28, im Hauptgebäude, rechter Aufgang, erste Etage nur einmal genannt wurde, ist die Geschichte, die uns dazu erzählt wurde, dem Platz der schlimmsten Jungstoilette würdig. Dort stinke es nicht nur ekelhaft, einmal habe unser Interviewpartner sogar einen Apfel im Abflussrohr sowie Blut im Waschbecken gefunden. Außerdem träfe man dort immer Herrn Rust.
Bei der schönsten Toilette wurde am häufigsten die Toilette bei N35 genannt, also im Nebengebäude, zweite Etage des mittleren Aufgangs. Dort gebe es drei Kabinen, was bei den Jungstoiletten eher selten der Fall sei, außerdem sei dort auch nicht zu viel los, sodass man in Ruhe sein Geschäft verrichten könne. Die Toilette eine Etage darüber, N45, wurde ebenfalls benannt, auch mit der Begründung, dass es dort immer sehr leer wäre, da sie sich im Mittelaufgang und ganz oben, in der dritten Etage befindet. Die letzte nominierte Toilette im Hauptgebäude ist die bei H28, im linken Aufgang, erste Etage des Hauptgebäudes. Sie sei die neuste und somit auch noch die sauberste, am wenigsten verwüstete, obwohl sie auch schon als schlimmste Toilette benannt wurde.
Zu unserer Überraschung, wurde uns auch einmal die Toilette bei N11 als die Beste genannt. Die Begründung hier war, dass sie anscheinend sauber sein solle und außerdem sei der Weg dahin kurz, wenn man im Nebengebäude Unterricht habe. Doch da mehr Jungs meinten, dort sei es ranzig und ekelhaft, bleibt sie bei unserem Ranking unter den schlimmsten.
Manche Jungs haben uns auch erzählt, dass sie auf der Toilette schonmal Herrn Rust getroffen hätten. Dies sei eine sehr unangenehme Situation gewesen, da Herr Rust sich wohl ohne Kommentar neben sie an das Pissoir gestellt habe. Und dass man nicht gerade seinem Lehrer auf Toilette begegnet möchte – besonders wenn man ans Pissoir geht – ist verständlich.

Lehrerinterviews
Herr Dittberner meinte während des Interviews zu uns, dass er es als Lehrer nicht angemessen findet, ans Pissoir zu gehen. Man möchte als Schüler nicht seinen Lehrer dort treffen und umgekehrt genauso. Dass bei uns die Rohre so wirken, als wären sie seit der Bauzeit nicht modernisiert worden, sei inakzeptabel, außerdem verstehe er nicht, wieso die Toiletten denn nicht saniert werden. Dass man an einer Strippe zieht, anstelle eines Drückers und dass es bei einer Lehrertoilette noch einen Lichtschalter aus der DDR gebe, sei nun wirklich nicht das Ding. Normalerweise gibt es für öffentliche Einrichtungen Fristen für die Sanierung, bei Schultoiletten gebe es das allerdings nicht was nun den Nachteil hat, dass unsere Toiletten alles andere als modern sind. Er erzählte uns auch noch, dass einmal die Heizungen in der Schule ausgeschaltet wurden, vermutlich um Heizkosten zu sparen. Dadurch waren natürlich auch die Toiletten eiskalt (was sie heutzutage manchmal auch noch sind, obwohl die Heizung an ist). Durch die Kälte blieben die Gerüche auch und zogen nicht ab, weshalb manche Schüler einfach nicht auf die Toilette gehen wollten. Sowas führt jedoch dazu, dass sie im Unterricht unkonzentriert sind. Schultoiletten sollten so sein, dass die Schüler dort auch auf Toilette gehen wollen.
Eine andere Lehrkraft teilte uns mit, dass sie es verwirrend fände, wo welche Toilette sei. Normalerweise befinden sich in jedem Aufgang drei Toiletten und meistens ist Junge und Mädchen abwechselnd. Das klappt allerdings nicht immer. Im rechten Aufgang des Hauptgebäudes gibt es im Erdgeschoss eine Mädchentoilette, danach kommt eine Herrenlehrertoilette in der Etage darüber, dann darüber eine Jungstoilette und ganz oben gibt es keine. Im Mittelgang ist es ähnlich. In der ersten Etage befindet sich eine Mädchentoilette, die beiden folgenden Toiletten in der zweiten und dritten Etage sind Jungstoiletten. Im linken Aufgang befindet sich im Erdgeschoss eine Frauenlehrertoilette, in der Etage darüber ist eine Jungstoilette, in der dritten Etage gibt es keine und ganz oben befindet sich noch eine Mädchentoilette. Im Hauptgebäude gibt es also drei Mädchentoiletten und fünf Jungstoiletten. Schauen wir uns das mal im Nebengebäude an. Im rechten Aufgang dort funktioniert das Abwechseln pro Etage. In der ersten und dritten Etage gibt es Mädchentoiletten, im Erdgeschoss und in der zweiten Etage jeweils eine Jungstoilette. Im Mittelgang funktioniert das Prinzip ebenfalls, nur dass es hier im Erdgeschoss keine Toilette gibt. In der ersten und in der dritten Etage befindet sich jeweils eine Mädchentoilette und in der zweiten Etage findet man eine Jungstoilette. Und im linken Gang funktioniert es so halb, ganz unten findet man eine Damentoilette, allerdings für Lehrerinnen, in der ersten Etage eine Jungstoilette, darüber eine Mädchentoilette und ganz oben ist wieder eine Lehrertoilette. Insgesamt gibt es im Nebengebäude also fünf Mädchentoiletten und vier Jungstoiletten. Rechnet man das mit dem Wert aus dem Hauptgebäude zusammen macht das an unserer Schule insgesamt acht Mädchentoiletten und neun Jungstoiletten. Wäre die Mädchentoilette im linken Gang des Nebengebäudes ganz unten keine Lehrertoilette, wären die Toiletten fair verteilt.
Durch unser Ranking kann man auch beobachten, dass je höher man kommt, umso leerer sind die Toiletten und desto sauberer sind sie.
Brandstiftung

Wie den meisten von euch sicherlich bekannt ist, haben es unsere Toiletten im Frühjahr 2023 zweimal in die Nachrichten geschafft. In der Toilette im Hauptgebäude neben H28 hat jemand kurz vor der Deutschabiturprüfung unseren Papierspender (damals noch aus Plastik und mit einer Art langem Handtuch) angezündet. Eine Woche später brannte eine weitere Jungstoilette im Nebengebäude, mit dem gleichen Prinzip des angezündeten Papierspenders. Wie wahrscheinlich ist es, dass eine Schule nicht nur einmal, sondern gleich zweimal brennt? Oder vielleicht wollte der Täter nicht die Schule abfackeln, sondern einfach die Sanierung der Toiletten vorantreiben? Bei der Toilette neben H28 hat das geklappt, weswegen sie in unserem Ranking auch eine der schönsten Toiletten ist, da sie schlicht und ergreifend einfach neu ist.
Interview mit der Stadtreinigung
Weitere Interviews haben wir mit unserer Stadtreinigung geführt – diese kriegen nochmal eine ganz andere Seite dieser Toiletten zu Gesicht. Eine von ihnen reinigt unsere Gebäude schon seit 2021, die andere erst seit 2024. Bei der Reinigung der Toiletten hätten sie schon häufiger Essen gefunden, meist in den kleinen Mülleimern für benutze Hygieneartikel – sogar schon einen Döner. Und auch Mädchen, die gerade dabei waren Selfies zu machen, hätten sie schon öfters erwischt. Für Mädchen sind wohl selbst unsere ranzigen Schultoiletten ein Ort für Quality-Time 😉. Sowohl auf den Mädchen- als auch auf den Jungstoiletten musste unsere Stadtreinigung mit Nässe, ungespülten Toiletten und sogar Hakenkreuzen an den Wänden kämpfen. In der Mädchentoilette bei H12 hätten Schülerinnen wohl auch schonmal die Tür aus der Verankerung gehoben – und diese Tat dann der Stadtreinigungskraft in die Schuhe geschoben. Während des Interviews konnten die beiden uns auch eine Erklärung für den Gestank auf den Toiletten geben, der besonders in H24 langsam echt abartig ist: die Rohre. Unsere Rohre seien so alt, dass sie nicht nur rosten, sondern sich in ihnen auch Dreck und Schmutz ansammeln, die dann diesen Gestank verursachen. Unter anderem deswegen ist unsere Stadtreinigung auch der Meinung, dass die Rohre dringend saniert werden sollten, ebenso wie die Schülerinnen und Schüler modernere Spülmöglichkeiten bekommen sollten. Auch die Waschbecken hätten schon bessere Zeiten gesehen, die Toilettenschüsseln hingegen gingen sogar noch. Doch unsere Stadtreinigung hat nachgefragt: Es fehlt leider das Geld für die nötige Sanierung unserer Toiletten.
Damit unsere Schultoiletten vielleicht ein bisschen besser zu ertragen sind und sie nicht nochmal jemand anzündet, um sie sanieren zu lassen, sanieren wir sie. In einem folgenden Projekt möchten wir zwei Toiletten, jeweils eine Jungs- und eine Mädchentoilette, etwas aufpeppen.
Reportage von Hanna, Ida und Moritz
