Interview: Im Allgemeinen macht man halt Diddi draus…

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Wollen Sie sich vielleicht erst einmal selbst vorstellen, damit sich ein paar Leute, die Sie nicht kennen, ein Bild machen können?

Erstmal bin ich sehr gerne Lehrer und ich mag alle meine Fächer, dies versuche ich auch den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln. Ich lese sehr viel zu Hause, da es mir wichtig ist auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft zu sein und diesen auch den Schüler*innen zu vermitteln. Außerdem versuche ich den Schüler*innen beizubringen, dass Wissenschaft nichts Abgeschlossenes ist und somit versuche ich sie zu motivieren selbst wissenschaftlich tätig zu werden. 

Haben Sie vielleicht ein Lieblingsthemengebiet, in dem Sie sich gerne weiter informieren?

Ich habe in jedem meiner Fächer ein Lieblingsgebiet. Bei evangelische Religion ist es die Entstehung des frühen Christentums, also das was im ersten Jahrhundert passiert ist, neben Jesu und direkt anschließend. Bei Wirtschaft sind es neue Ansätze für eine Wirtschaftsorganisation, vor allem für Eigentumsfragen, also zum Beispiel wie eine Genossenschaft funktioniert oder wie wir uns in diesem Gebiet weiterentwickeln. Hmm, Bio ist schwer, es gibt viele Themengebiete, die mich interessieren. Eines davon ist zum Beispiel Gentechnik und Ökologie. 

 Ein aktuelles Thema ist jetzt Digitalisierung in Schulen und vielleicht könnten Sie jetzt als Lehrer fragen, was sie so zur Digitalisierung meinen Bzw., wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie dann gerne an unserer Schule ändern? 

Digitalisierung finde ich höchst problematisch, weil die Programme, die angeboten werden, die digitales Lernen ermöglichen, immer vorweg schon festgelegte Ergebnisse haben und das halte ich für einen Lern- und Arbeitsprozess für unmöglich. Wenn ich meinen Unterricht vorbereite, überlege ich mir natürlich, wo die Schüler*innen hinkommen sollen, aber wenn sie andere Vorschläge machen, kommen wir natürlich woanders an, und das finde ich auch gut so, denn so funktioniert Wissenschaft. Also ich persönlich wünsche mir, dass wir uns erst einmal hinsetzen und überlegen, wie und was die Schüler*innen lernen sollen. Und ohne, dass ich Konstruktivist bin, habe ich einen konstruktivistischen Ansatz, dass Wissen nur entsteht, wenn man es sich selber baut. […]

Hatten Sie früher als Schüler ein Lieblingsfach und wenn ja welches? 

Eines meiner Lieblingsfächer, nämlich Bio, ist mein Beruf geworden und das andere Fach ist Geschichte. Und da lese ich jetzt immer noch gerne etwas drüber und schaue mir Dokumentationen oder sowas an. 

Wäre dies heute immer noch ihre Lieblingsfächer?

Das ist eine gute Frage. Zumindest mein Anspruch an mich selbst ist, dass ich selbst gerne in meinen Unterricht gehen würde. Bei Geschichte habe ich viel gehört, wie der Unterricht dort abläuft, aber ich kann das nicht so ganz beurteilen. Früher hatten wir einen chronologischen Ablauf im Unterricht, aber jetzt gibt es neue didaktische Ansätze. Das klingt auch spannend, aber ich kann mir dazu kein Urteil erlauben, ob ich das als Schüler besser gefunden hätte.

Eine Leserinnen Frage: Haben Sie mal von einem Spitznamen, welcher Ihnen von Schülern gegeben wurde, mitbekommen der sehr lustig war. 

Im Allgemeinen kürzt man halt meinen Namen… also Dittberner ist halt zu lang, normalerweise macht man Diddi draus. Daran habe ich mich gewöhnt, aber ich finde es einen nicht so tollen Spitznamen. 

Sie haben schon oft von ihren zahlreichen Schulen erzählt, an wie viel waren sie denn schon? Und finden Sie es wichtig die Schule in der Laufbahn zu wechseln?

[………..] Gute Frage. Ich war schon an sehr vielen Schulen, das müsste jetzt meine siebte Schule sein.  Das ist schon ungewöhnlich. Ich finde es gut, wenn man mal die Schule gewechselt hat, denn ich halte es für keine sehr gute Idee, wenn man an ein und derselben Schule, an der man auch schon sein Referendariat gemacht hat, weiterhin bleibt. So entfaltet man sich zu wenig und sammelt nicht genug Erfahrung. Es ist immer eine gute Entscheidung als Lehrer, auch in seiner späteren Karriere die Entscheidung zu treffen für zum Beispiel vier Jahre ins Ausland zu gehen. 

Wie Sie schon angedeutet haben, waren Sie mehrere Jahre in der Türkei, fanden Sie die Schulen dort besser/fortschrittlicher als in Deutschland?

Die staatlichen, türkischen Schulen auf jeden Fall nicht, die fand ich ganz schwierig. In den unteren Klassen lernten mehr als 30 Schüler zusammen und es gibt ganz viel Paukunterricht. Eine Geografie Lehrerin war berüchtigt dafür, dass sie Schüler dazu zwang, 30-35 Seiten wortwörtlich auswendig zu lernen. Wenn sie dann ein Fachbegriff, wie zum Beispiel Gletscher, mit eigenen Worten erklärt haben, war dies falsch. Sowas finde ich keine gute Unterrichtsformen und würde ich mir auch nicht in Deutschland wünschen. Was ich aber an meiner Privatschule, an der ich tätig war, toll fand war, dass die Schüler eine große Begeisterung für das Lernen hatten. Sie wollen wissen erwerben, um damit zu studieren und nachher spannende Jobs zu finden. Bei uns an der Schule fehlt mir diese Begeisterung, aber dies ist nicht zwingend Schuld der Schüler oder deren Familien, sondern die Schuld des Schulsystems. […]

Später haben wir dann gefragt, wie er die Digitalisierung an Schulen, also wie er digitale Schulbücher und etc., fände. 

Er meinte, dass Digitalisierung in einem gewissen Maße nötig ist, zum Beispiel in Form von Beamern und Laptops für die Lehrer. Jedoch fände er Tabletts für alle Schüler überflüssig, da dies viel Strom würde und niemand auf die Bildschirmzeit der Schüler achtet. 

Sie sind dann nach ihrer Zeit in der Türkei nach Deutschland zurückgekehrt, aber warum haben Sie Greifswald gewählt.

Im Endeffekt ist es Greifswald geworden da ich hier mein praktisches Referendariat gemacht habe. Und dabei habe ich natürlich Leute kennen gelernt, mit denen der Kontakt geblieben ist. Dadurch hatte ich hier schon einen Freundeskreis abgebaut, darum bin ich auch nach Greifswald zurückgekommen.

Hatten Sie in der Türkei ein Lieblingsessen, welches in Deutschland eher ungewöhnlich ist?

F. Bahls (Im Hintergrund): KÖFTE

Köfte ja, aber Içli-Köfte mag ich lieber. Das sind elipsoidförmige Grießbällchen mit Hackfleischfüllung. Und diese waren superlecker. Zum Beispiel gab es einen Verkäufer in der Nähe, der dort mit einem weißen Kittel stand und eine Schale mit Köfte vorsichtig abgedeckt hatte. Aus dieser Schale holt er dann ein oder zwei Köfte heraus. Dies war dann ein tolles Erlebnis. 

Haben Sie vielleicht interessante oder ungewöhnliche Hobbys? 

Das Hobby, mit dem ich am meisten Zeit verbringe, ist Ornithologie, also Vogelbeobachtung, das mache ich sehr gerne. Das mache ich dann sozusagen als sportlichen Wettbewerb, ich versuche so viele unterschiedliche Vögel wie möglich zu sehen und lande im Allgemeinen bei 160 verschiedenen Vogelarten im Jahr. Außerdem bin ich mit ein paar anderen Freunden dabei, zu Mittelalter festen zu gehen, mit einer eigenen Wickingersippe. Wir haben dann Wikinger Kleidung an und stellen Pechsieden als altes Handwerk vor und Leben dann sehr mittelalterlich. Das finde ich auch ein ziemlich spannendes Hobby.

Wenn Sie einen Wunsch in ihrem Leben frei hätten, was würden Sie dann ändern? 

Wenn ich rückwirkend irgendetwas ändern dürfte, würde ich mir wünschen frühzeitiger dem Kinderwunsch nachgegangen zu sein. Sonst habe ich ein tolles Leben, eigene Kinder zu haben wäre schön gewesen, aber dann bin ich ins Ausland gegangen, durch die Gegend gezogen und es hat sich nicht ergeben. 

[…]   –    J. Dittberner schweift ab 

Von Bjarne und Pavel (Der Koboldt-Greifswald)