Wie lange braucht ihr für eurer Abitur?

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G8 bezeichnet die Gymnasialzeit von 8 Jahren, also ein Abitur nach Klasse zwölf, und G9 die Gymnasialzeit von 9 Jahren, dementsprechend ein Abitur nach 13 Jahren. In Mecklenburg-Vorpommern ist momentan ein Abitur ausschließlich nach zwölf Jahren zu machen. Das ist auch in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen so. Doch nun heißt es, man sollte darüber nachdenken in MV G9 einzuführen. Ist das nicht ein Schock für all jene, die gerade m Gymnasium zur Schule gehen und sich eigentlich sicher waren, sie würden ihr Abitur nach der zwölften Klasse machen?

Die ganze G8-G9-Sache ist sehr weit zurück zu führen und zwar in das Jahr 2008, indem in ganz Deutschland G8 offiziell eingeführt wurde. Dort gab es einen Doppeljahrgang, also eine zwölfte Klasse und eine 13. Klasse, die jedoch das gleiche Abitur mit demselben Wert machten. Erste Erkenntnisse aus einer Äußerung aus dem Saarland zeigten, dass G8er und G9er einen identischen Abiturdurchschnitt haben. Die G8 Absolventen hatten so einen Schnitt von 2,48 und die G9 Absolventen einen 2,47 Schnitt. Man dachte also zunächst, dass es ein guter Schritt für alle Abiturienten war und G9 tatsächlich eine Verschwendung von einem Jahr war, indem Schüler eigentlich schon an das Leben der Arbeit herangeführt werden hätten können und eigenes Geld verdienen könnten. Außerdem sparte der Staat einiges an Geld, da weniger Lehrer an den Schulen benötigt wurden. Das könnte man jedoch auch negativ sehen, da Arbeitsstellen verloren gingen.

Zu dem Doppeljahrgang hat der Koboldt ein Interview mit einer Frau aus diesem Abschlussjahrgang gemacht. Folgendes hat sie uns berichtet: Die Schüler, die 2009 ihr Abitur machen sollten, erfuhren in der zehnten Klasse, dass sie ihr Abitur doch schon in der zwölften Klasse schreiben werden und es so schon 2008 sein wird. Lehrer waren zu diesem Zeitpunkt total unvorbereitet, da sie plötzlich viel weniger Zeit hatten, um ihren Schülern noch den gesamten Stoff durchzukriegen. Bei Eltern machten sich Sorgen breit, dass ihre Kinder keinen Ausbildungsplatz kriegen, weil zu viele Schüler auf einmal ihre Schule abschließen würden. Unter den Schülern war es ein komisches Gefühl, das gleiche Abitur zeitgleich zu schreiben, obwohl man ein Jahr jünger war. Teilweise wurden die unterschiedlichen Jahrgänge sogar in den gleichen Unterricht versetzt. Insgesamt wünscht sie den Schülern von heute, die ein Abitur machen wollen, eher G9. Dies sei einfach entspannter, weil man ein Jahr länger noch nicht so viele Verpflichtungen hat und in der Schule jeden Tag seine Freunde sieht, was man im späteren Leben so nie mehr hat.

Ab 2015 führte Niedersachsen als erstes Bundesland wieder ein G9 Schulsystem ein. Gründe, die dafür genannt wurden, waren, dass Schüler zu viel Druck durch Schule bekamen. Dieses Argument fiel aber nicht unbedingt nur von Schülern, sondern ebenso von Eltern oder auch den Lehrern. Die Freizeit der Schüler wurde extrem eingeschränkt und auch am Nachmittag hatten oft noch viele der Tätigkeiten mit Schule zu tun. Es sollte also wieder das eine Schuljahr mehr gegeben werden, aber natürlich der gleiche Lernstoff durchgebracht werden. Als Fazit von G8 hieß es, dass alle Erfahrungen zeigten, dass die Änderung einfach nur ein pädagogischer Fehler gewesen sei. Weitere Bundesländer zogen darauf nach und änderten ihr Schulsystem auch wieder zu den alten Prinzipien.

In MV blieb es zunächst bei der G8-Regelung, auch wenn auch einige Wünsche zu G9 von Bürgern geäußert wurden. Am 23. März 2017 gab es erstmals in MV eine politische Diskussion zu dem Thema. Die G9-Fans kamen jedoch zu nichts. SPD- und CDU-Vertreter hielten in einem Koalitionsvertrag fest, dass es keine Änderung in dem Schulsystem in den nächsten 5 Jahren geben solle. Angegebener Grund dafür ist, dass die Verlässlichkeit und Planbarkeit für die Schüler oberstes Gebot haben. Ergibt dieses Argument jedoch Sinn? Denn nun sind es nicht die Gymnasiumschüler von den Jahren 2017 bis 2021, die Unsicherheit haben, sondern die Gymnasiumschüler von 2022 und aufwärts. Waren sich die Politiker aus Schwerin also in Wirklichkeit einfach nur unsicher, was zu tun war, oder war es nur die Aufschiebung eines Problems? Heutzutage jedenfalls wird sich wieder für G9 eingesetzt und Schüler bangen oder hoffen, dass das Schulsystem noch während ihrer Schulzeit geändert wird.

Welches System nun wirklich besser ist, lässt sich am Ende nicht sagen, da es keinen eindeutigen Sieger gibt. Beide haben Vor- und Nachteile und alle haben, je nachdem, was die eigenen Prioritäten sind, selbst zu entscheiden, welches das bessere für einen ist. Aber ob man nun einen Favoriten hat oder nicht: etwas bewirken kann man wohl nur sehr schwer.